Emotional Freedom Techniques (EFT*)

Emotional Freedom Techniques (EFT*)

Methoden der Energetischen Psychologie bzw. Klopfmethoden kombinieren imaginative Konfrontation, kognitive Umstrukturierung und sensorische Stimulierung, insbesondere die manuelle Stimulierung von Akupunkturpunkten. Unterschiedliche Ansätze, von denen sich einige an energetischen, andere an psychologischen und/oder neurophysiologischen Konzepten orientieren, werden beschrieben. Plausible psychologische und neurophysiologische Konzepte erklären die Wirkung der Klopfmethoden als Hemmung von aktivierten Angst­ und Stressreaktionen. Die Grundprinzipien des therapeutischen Vorgehens bei diesen Ansätzen und Ähnlichkeiten mit verhaltenstherapeutischen Methoden und EMDR werden dargestellt. Ein Überblick über die empirischen Untersuchungen zu den Klopfmethoden zeigt: Es gibt überzeugende Belege für die Wirksamkeit der Emotional Freedom Techniques (EFT) bei der Behandlung von z.B. Angststörungen, Traumafolgestörungen, Depressionen. Studien zu den Wirkfaktoren zeigen die Bedeutsamkeit der sensorischen Stimulierung für die therapeutischen Effekte.

Kursleiter: Dr. Jürgen Kiechle

*Hinweis: Die Inhalte meiner Seminare geben meine persönliche Sicht und langjährige Erfahrung von Klopfakupressur wieder. Es handelt sich nicht um „Official EFT“/Optimal EFT“ (Gary Craig), das von ihm markenrechtlich geschützt ist.

In den letzten zehn Jahren wurden in verschiedenen Ländern (USA, Australien, Großbritannien, Schweden, Norwegen, Deutschland, Türkei und Korea) Studien zur Wirksamkeit der Klopfmethoden durchgeführt, in denen die Behandlungsgruppen mit Wartekontrollgruppen, Placebo-Behandlungen oder evidenzbasierten Therapiemethoden verglichen wurden. Auf der Internetseite www.eftuniverse.com findet man eine Zusammenstellung der wissenschaftlichen Literatur zu EFT. Dawson Church (2013) zeigte, dass viele Untersuchungen zu EFT den Standards der American Psychological Association (APA) für evidenzbasierte Therapiemethoden entsprechen; er bezeichnet diese manualisierte Form als Clinical EFT. Am besten ist die Wirksamkeit der Klopfmethoden (insbesondere von EFT) bei Angststörungen (Clond, 2016), Depressionen (Nelms & Castel, 2016) und posttraumatischen Belastungsstörungen (Sebastian & Nelms, 2017) belegt. Andere Studien zeigen, dass diese Methoden bei Übergewicht helfen können, Heißhunger zu reduzieren und Erfolge beim Abnehmen zu stabilisieren (Elder et al., 2007; Stapleton, Sheldon, Porter & Whitty, 2011). Weitere Anwendungsgebiete sind die Förderung der Krankheitsbewältigung bei Fibromyalgie (Brattberg, 2008) und die Behandlung von Schlafstörungen (Lee, Chung & Kim, 2015). Bei Zwangsstörungen wurde ein Selbsthilfeprogramm zur Klopfakupressur von einem Teil der Patienten zwar als hilfreich beurteilt; es führte aber nicht zu einer Verminderung der Zwangssymptome (Moritz et al., 2011). In einem Überblicksartikel von Feinstein (2012b) wurden 18 randomisierte kontrollierte Studien (RCTStudien) zur Wirksamkeit der Energetischen Psychotherapie ausgewertet.5 Bei 16 Studien konnte die Effektstärke (Cohen’s d) kalkuliert werden. Bei 15 dieser Untersuchungen wurde nach Feinsteins Angaben eine große Effektstärke bei mindestens einem der untersuchten Ergebnismaße gefunden.6 Gilomen und Lee (2015) berechneten die Effektstärke von 18 Studien zur Wirksamkeit von EFT nach einer anderen Methode (Hedge’s g). Nach der Einschätzung dieser Autoren hat EFT eine mittlere Effektstärke, wobei es große Unterschiede zwischen den einzelnen Untersuchungen gab. Eine Metaanalyse von Clond (2016) untersuchte die Wirksamkeit von EFT bei Ängsten: EFT führte zu einer bedeutsamen Verminderung von Ängsten. Besonders stark wurden die Angstwerte bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und spezifischen Phobien reduziert. Schon sehr kurze Interventionen führten bei spezifischen Ängsten (Kleintierphobien, Prüfungs- und Redeangst) zu bedeutsamen und anhaltenden Besserungen. Exemplarisch möchte ich hier nur zwei Studien erwähnen: Wells, Polglase, Andrews, Carrington und Baker (2003) zeigten, dass eine einzige Sitzung mit EFT zu einer deutlichen Verminderung der Angst bei Kleintierphobien führte und zwar sowohl auf der Verhaltensebene als auch bei subjektiven Angstmaßen. Diese Veränderung war signifikant größer als bei einer Kontrollgruppe, in der imaginative Konfrontation mit Bauchatmung kombiniert wurde. Auch beim Follow-up nach sechs bis neun Monaten war EFT der Kontrollbedingung beim Verhaltenstest überlegen. Sezgin und Özcan (2009) verglichen die Wirksamkeit von EFT und Progressiver Muskelrelaxation (PMR) bei prüfungsängstlichen Schülern. Beide Gruppen erhielten eine einführende Sitzung in die jeweilige Methode, die sie dann selbständig anwenden sollten. Bei beiden Behandlungen nahm die Prüfungsangst ab, EFT führte aber zu einer stärkeren Verminderung der Angstwerte. In der Untersuchung von Irgens et al. (2017) zur Behandlung von Patienten mit Agoraphobie wurden fünf Sitzungen Thought Field Therapy (TFT) oder 12 Sitzungen KVT durchgeführt; beide Therapieformen führten zu einer bedeutsamen Verminderung von Angst und Vermeidungsverhalten und waren der Wartekontrollgruppe deutlich überlegen. Trotz der kürzeren Behandlungszeit bei TFT wurden weder am Ende der Therapie noch beim Follow-up nach zwölf Monaten signifikante Unterschiede zwischen den beiden Therapieformen gefunden. Die Metaanalyse von Nelms und Castel (2016) kam zu dem Ergebnis, dass depressive Symptome durch die Behandlung mit EFT bedeutsam reduziert wurden. Die Effektstärke (d = 1.31) war nach den Angaben der Autoren deutlich größer als in Untersuchungen mit Psychopharmaka. Die Metaanalyse von Sebastian und Nelms (2017) beschäftigte sich mit der Wirksamkeit von EFT bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Eine sehr hohe Effektstärke wurde beim Vergleich von EFT mit der Wartelisten-Gruppe oder der üblichen Behandlung (TAU – treatment as usual) gefunden. In zwei Studien wurde EFT mit einer evidenzbasierten Therapiemethode verglichen; in diesen Untersuchungen war es genauso wirksam wie EMDR und Kognitive Verhaltenstherapie. Ich möchte nun einige Untersuchungen zu Traumafolgestörungen etwas ausführlicher besprechen. Karatzias et al. (2011) verglichen in ihrer Studie die Wirkung von EMDR und EFT bei posttraumatischen Störungen. Beide Behandlungen (höchstens acht Sitzungen; durchschnittlich weniger als vier Sitzungen) führten in ungefähr gleichem Ausmaß zu signifikanten Besserungen direkt nach der Behandlung und beim Follow-up nach drei Monaten (sowohl die Einschätzung durch einen Experten, der die Patienten interviewte, als auch Fragebogen zeigten deutliche Besserungen bei posttraumatischen Symp tomen). In der Studie von Nemiro und Papworth (2015) wurden Frauen, die im Kongo Opfer von sexueller Gewalt geworden waren und in einer Unterkunft für Flüchtlinge lebten, entweder mit Kognitiver Verhaltenstherapie oder mir EFT behandelt (jeweils acht Gruppensitzungen). Beide Therapieformen führten zu einer bedeutsamen Verminderung von Traumasymptomen und allgemeinen Stresssymptomen; diese positiven Wirkungen waren auch nach sechs Monaten noch vorhanden. Stein und Brooks (2011) berichten über die Behandlung von Soldaten mit PTBS mit sechs EFT Sitzungen. Die Behandlung wurde von lizenzierten Psychotherapeuten oder von Coaches durchgeführt. Die Behandlung führte zu einer deutlichen Verringerung posttraumatischer Symptome. Nur 24 % der von Coaches und 17 % der von Therapeuten behandelten Veteranen litten beim Follow-up sechs Monate nach dem Ende der Behandlung noch unter klinisch definierter PTBS. In einer Studie von Church et al. (2013) wurden Soldaten mit PTBS mit EFT behandelt (6 Sitzungen). Im Vergleich zu einer Wartegruppe verminderten sich bei der EFT-Gruppe der psychologische Stress und das Ausmaß der posttraumatischen Symptome signifikant. Nach der Behandlung entsprachen die Werte von 90 % der EFT-Gruppe nicht mehr den Kriterien für eine PTBS-Diagnose verglichen mit 4 % der Patienten der Wartegruppe nach der Wartezeit. Die Patienten der Wartegruppe wurden anschließend ebenfalls erfolgreich mit EFT behandelt. Roseline Brinkman (2010a, 2010b) verglich in ihrer Doktorarbeit die Standardbehandlung in einer norddeutschen Klinik für Patientinnen mit der Doppeldiagnose Substanzabhängigkeit und komplexe Traumafolgestörung mit einer Behandlung, in der die Patientinnen während des Klinikaufenthalts in Einzelsitzungen mit Energetischer Psychotherapie (EP) behandelt wurden. Die EP-Gruppe erzielte sowohl am Ende der Behandlung als auch beim Follow-up nach einem Jahr sehr viel bessere Therapieergebnisse als die Vergleichsgruppe. Die Autorin fasst die wichtigsten Ergebnisse ihrer Studie folgendermaßen zusammen:

In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass durch eine Behandlung mit Energetischer Psychotherapie sowohl eine Verminderung der posttraumatischen und dissoziativen Symptomatik, eine Verbesserung der depressiven Symptomatik und Allgemeinbefindlichkeit, eine Reduktion von Craving und Rückfallhäufigkeit, als auch eine Erhöhung des Kohärenzgefühls bewirkt wird. Die Zahl der Therapieabbrüche konnte vermindert und die gesamte Behandlungsdauer verkürzt werden. (Brinkman, 2010a, S. 122).

Teilnahmevoraussetzung:
Heilkundeerlaubnis als Heilpraktiker oder psychotherapeutischer Heilpraktiker, psychologischer Psychotherapeut, mindestens Grundausbildung in kognitiver Verhaltenstherapie.

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INFOMATERIAL

Dozent(en)

Dr. Jürgen Kiechle

Dr. Jürgen Kiechle, geb. 1969, Heilpraktiker für Psychotherapie, Kognitiver Verhaltenstherapeut, Rational-Emotiver-Cognitive Coach; zunächst Studium der Philosophie, Theologie, Pädagogik in Regensburg, [...]

2020-02-27T16:13:35+01:00